2010-01-22 Stellungnahme zum „IchZeitPark"-Flyer

Anlass und Hintergrund des touristischen Pilotprojektes „IchZeitPark"

Das Thema „IchZeitPark" in Rengsdorf wird als touristisches Pilotprojekt für Rengsdorf bezeichnet.

Der Landschaftspark „WasserWelten" im Luisenthal ist ein Teil dieses Projektes und soll auf der Bundesgartenschau Koblenz 2011 als ein sogenanntes Vor-Ort-Projekt beworben werden. Aus diesem Grund wurde im Mai 2009 ein einstimmiger Gemeinderatsbeschluss gefasst, der den Ausstellungsbeitrag in einer Größenordnung von 10.000 € (verteilt auf drei Kalenderjahre) legitimiert.

Zur Analyse und Planung des Projektes „WasserWelten" liegt vom 27.10.2009 ein stichpunktartiges Entwicklungskonzept des freien Unternehmens „Institut für Umweltplanung" von Frau Dr. Kübler vor, dass auch dem Ort Rengsdorf in der touristischen Entwicklung helfen soll. Dabei bezieht sich das Projekt „WasserWelten" nicht mehr ausschließlich auf die Grünanlagen des Louisenthals, sondern auch auf die Gestaltung des Wasserturmes im Bereich Monte Mare. Die Kosten belaufen sich inzwischen auf 800.000 Euro und die damit verbundenen Folgekosten laut Konzeption auf ca. 50.000 Euro pro Jahr.

Zu Beginn des Jahres 2010 wurde durch das Institut für Umweltplanung ein weiteres Konzept für weitere Landschaftsparks in Rengsdorf vorgelegt, welches mittlerweile eine Kostensumme von 1.200.000 Euro erreicht, die Folgekosten sind hierbei noch nicht berücksichtigt.

Es ist grundsätzlich zu vermerken, dass die nun vorliegenden Konzepte in keiner Weise mehr im Zusammenhang mit den Überlegungen des BUGA-Vor-Ort-Projektes stehen und ein Gemeinderatsbeschluss hierfür noch nicht vorliegt.

Die vorliegenden Konzepte bezüglich der WasserWelten beziehen sich unter anderem auf „touristisch relevante Rahmenbedingungen", „wesentliche Tourismuspotenziale" und „Ziele für eine nachhaltige Entwicklung" in Rengsdorf. Dabei wird in keinem Punkt auf Details des touristischen Umfeldes in Rengsdorf eingegangen.

Der zurzeit gültige Leitfaden zur Umsetzung der Tourismusstrategie 2015 in den rheinland-pfälzischen Tourismuskommunen weist eine eigenständige Checkliste zur Produktentwicklung auf. Leider liegt eine Ausarbeitung und Beantwortung dieser Checkliste noch nicht vor.

Ebenso wird bei allen vorliegenden Konzepten nicht auf die Qualitätsexpertise Rengsdorf vom Europäischen Tourismus Institut GmbH (ETI) aus dem Jahr 2008 eingegangen. Dies ist zur weiteren Entwicklung des Ortes Rengsdorf ebenso erforderlich.

Die Entwicklung eines touristischen Angebotes und Produktes erfordert zudem eine genaue Zielgruppendefinition und -analyse. Beides liegt in keiner Weise vor. Ebenso wenig eine auf vorliegenden Studien basierende Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Mit der Entwicklung eines touristischen Pilotprojektes in der angestrebten Größenordnung, ist das touristische Umfeld des Ortes vorweg zu analysieren und seine wirtschaftlichen auf das Produkt (und umgekehrt) zu kalkulieren. Es bezieht sich auf verschiedene Elemente und Säulen einer Gemeinde.

Rengsdorf ist noch weit von der geforderten und erforderlichen touristischen Verwaltungsstruktur entfernt. Dies ist auf die finanzielle, räumliche und personelle Besetzung zu beziehen. Sicherlich sind die zurzeit in der TI Rengsdorf sowie der VG-Verwaltung für den Tourismus tätigen Personen überaus engagiert und idealistisch tätig, was aber für eine auf Dauer touristisch erfolgreiche Arbeit nicht ausreichend sein kann.

Die vorliegende Konzeption weist außerdem in keiner Weise ein Betreuungs- bzw. Nachhaltigkeitsmodell für die verschiedenen Elemente des IchZeitParks auf. Lediglich die zu erwartenden Nachhaltigkeits-Kosten in Höhe von ca. 45.000 € jährlich werden in einem Satz erwähnt. Wie dieser Betrag zustande kommt ist unzureichend erklärt.

Ein touristisches Projekt gemäß dem IchZeitPark, wird nur dann eine Chance auf dem touristischen Markt haben, wenn eine gezielte und fundierte Marketingstrategie gefunden und mit dem erforderlichen finanziellen und personellen Einsatz umgesetzt wird. Weder die Vermarktungsstrategie noch die dazu erforderlichen finanziellen und personellen Mittel sind in irgendeiner Konzeption aufgelistet oder angedacht.

Da neben der Entwicklung des Projektes „Wasserwelten" in Rengsdorf auch das Dorfentwicklungskonzept in der Umsetzung ist, müssen sämtliche touristischen Entwicklungsprozesse in der Gemeinde grundsätzlich mit den Zielen dieses Konzeptes abgestimmt sein. Ebenso ist der finanzielle Handlungsspielraum zu berücksichtigen. In den vorliegenden Konzepten ist dies in dem erforderlichen Umfang nicht geschehen.

Einschätzung der FWG:

Die vorliegenden Kostenpläne des Konzeptes IchZeitPark sind nur bedingt nachvollziehbar und durch eine zweite Institution zu prüfen. Eine Projektierung des IchZeitPark unter Aufnahme von Krediten ist bedingt durch die zu erwartenden Mindereinnahmen in der Gemeinde Rengsdorf, keinesfalls vertretbar.

Die FWG Rengsdorf sieht bei aller aufgeführten Kritik an dem Projekt IchZeitPark selbstverständlich schon auch das Erfordernis, den Ort Rengsdorf touristisch, aber besonders innerörtlich weiter zu entwickeln. Dies erfordert natürlich auch erhebliche finanzielle Anstrengungen, besonders nach Jahren zurückhaltender Investitionen, die aus finanzieller Sicht begründet war.

Gerade jedoch aus diesem Grund ist eine gezielte Analyse des nun angestrebten touristischen Projektes IchZeitPark erforderlich. Neben der Kalkulation und Prüfung der Machbarkeit bei der Ersteinrichtung muss eine Gemeinde auch die Kosten für die Nachhaltigkeit in Betracht ziehen und die ständig wachsenden Anforderungen an Qualität und Umsetzung eines Projektes mit ins Kalkül ziehen. Ebenso muss eine ausreichende Verzahnung mit der innerdörflichen Entwicklung stattfinden. Dies ist leider bei dem Projekt IchZeitPark bisher nicht geschehen.

Vielmehr wird auf der Grundlage von attraktiven finanziellen Fördermöglichkeiten durch das Land, eine nicht mehr kalkulierbare Finanz-Situation für die Gemeinde Rengsdorf geschaffen. Entsprechende Erfahrungen mit Fehlinvestitionen aus den siebziger Jahren oder auch einem Projekt wie dem Nürburgring müssen Warnung genug sein.

Die FWG setzt sich vorrangig für die innerörtliche Dorfentwicklung ein und sieht die Tourismusentwicklung als ein wichtiges Begleitprodukt, dass im Einklang mit der finanziellen Lage und der Entwicklung des touristischen Umfeldes stehen muss.

Aus diesem Grund ist die FWG auch nicht gegen durchdachte und punktuelle touristische Einzelmaßnahmen des vorliegenden Gesamtkonzeptes „IchZeitPark". Beispielsweise wurden mit dem Aufbau des Rheinsteigs und des Klosterweges in Rengsdorf touristische Projekte angestoßen, die in einem vertretbaren finanziellen Rahmen eine positive touristische Umfeldentwicklung im Dorf Rengsdorf bewirkt und konsequent die Entwicklung von Übernachtungsbetrieben gefördert haben. Auf dieser Basis kann sukzessive weiter eine Qualitätsoptimierung und die Entwicklung weiterer touristischer Angebote erfolgen.

Ein Produkt entsprechend dem IchZeitPark überfordert jedoch zum jetzigen Zeitpunkt die gesamte touristische Struktur, angefangen von den Beherbergungsbetrieben bis zur touristischen Verwaltung des Ortes.

Auch die alleinige Zukunftsperspektive in Form eines neuen Hotelleriebetriebes durch das Unternehmen Monte Mare ist nicht ausreichend, um ein Gesundheitsthema in Rengsdorf in dieser Weise aufzubauen. Vielmehr sind die touristisch stark frequentierten Bereiche des Ortes sukzessive inhaltlich und optisch aufzuwerten.

Selbst die Qualitätsexpertise von ETI 2008, ermittelt für Rengsdorf bezüglich des Entwicklungspotenzials durchschnittlich Rang 115 (von 158 untersuchten Orten). Dies zeigt sehr deutlich, dass eine touristische Entwicklung, unter Berücksichtigung des touristischen Umfelds , nur in kleinen Schritten betrieben werden kann.

Die Prioritätenliste für Rengsdorf muss heißen:

a) ganzheitliche innerdörfliche Entwicklung (gemäß vorliegenden Schriften)

b) sukzessive und finanziell überschaubare Entwicklung touristischer Infrastruktur entlang frequentierter Bereiche

Jedoch sind unzureichend durchdachte Themen und Bereiche wie der Wasserturm oder verschiedene Landschaftsparks in ganzem Umfang zu streichen. Es ist nicht zu erwarten, dass diese Bereiche in dem erforderlichen Umfang frequentiert werden, wie es aus finanzieller und touristischer Sicht erforderlich wäre.

Die „WasserWelten" können gemäß der ursprünglich bescheidenen Planung verwirklicht werden, jedoch nicht in dem nun vorliegenden Umfang.

Aus diesen Überlegungen resultierend ergibt sich die Forderung nach einem Gesamtkonzept für den Ort Rengsdorf, welches auch die sichere finanzielle Umsetzung einschließt. Eine Zustimmung durch die FWG zu solchen Projekten ist nur bei schlüssigen und machbaren Projekten gegeben, unter der Bedingung, dass ein Projekt auch vor der Rengsdorfer Bevölkerung langfristig vertretbar ist.

22.01.2010, Vorstand FWG Rengsdorf

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